25. Juni 2009 18:37
Twitter funktioniert nach dem Prinzip “Ich zwitschere einfach mal etwas, das mir gerade in den Sinn kommt, und vielleicht liest das dann jemand”. Damit ist auch schon mein Problem benannt.
Etwas Oberflächlicheres und Kurzlebigeres als ein Tweet gibt es wohl kaum. Kaum ist er publiziert, schon ist er alter Hafenkäse, der von haufenweise anderen Tweets in den Hintergrund und in die Vergessenheit gedrängt wird.
Es wird von vielen Teilnehmern viel zu viel gezwitschert und schon bei wenigen Leuten, denen man folgt, wird es extrem schwierig, die Spreu vom Weizen zu trennen.
Man kann einfach nicht alles lesen, was die Leute so von sich geben. Ausser man verbringt den ganzen Tag damit, was aber sicher niemand wollen kann.
Ich finde es äusserst schwierig, auf die Schnelle zu erkennen, ob ein Beitrag nur wieder ein verbaler Nieser einer Person ist, oder ob darin allenfalls eine mich interessierende Information enthalten bzw. vergraben ist.
Häufig muss ich erst einem Link folgen um zu erkennen, dass es sich um ein Bild von absolut unterirdischem Interessantheitsgrad handelt, oder ob ich auf einen wirklich interessanten Beitrag, auf den ich sonst nie gestossen wäre, gelenkt werde, den zu lesen mich wahrscheinlich eine Viertelstunde kosten wird.
Da sind mir die Tweets mit sofort erkennbarem Nullwert fast am liebsten, denn dann kann ich sofort zum nächsten weiter gehen.
Jeden Morgen, nachdem ich Twitter gestartet habe, muss ich zuerst so lange nach unten scrollen bis ich meinen letzten Tweet vom Vortag sehe. Dann geht es schrittweise nach oben, denn ich will ja alles sehen, was in der Zwischenzeit gezwitschert worden ist. Es könnte ja immerhin sein, dass jemand seine Meinung zu einem meiner Beiträge abgegeben hat, und das wäre ja vielleicht etwas Lesenswertes.
Dieses Prozedere ist aber normalerweise so sinnlos wie zwanghaft, denn es ist nach meiner Erfahrung fast immer so, dass die Leute nur noch über ihren kranken Kanarienvogel, die Lufttemperatur in ihrem Badezimmer, das bereits zur Geschichte gehörende Fernsehprogramm oder dann die Zusammensetzung ihres Schlummertrunkes geschrieben haben. Und darauf könnte ich gut und gerne verzichten. Nur tue ich das, was eigentlich vernünftig wäre, in den seltensten Fällen.
Man könnte natürlich fragen, was denn Twitter dafür kann, wenn ich nicht vernünftig damit umgehen kann. Meine Gegenfrage würde dann lauten: Kann überhaupt jemand vernünftig mit Twitter umgehen?